Eine wilde, erschreckende Geschichte aus dem Berlin der siebziger Jahre. Ein Kleines Mädchen im Großstadtmoloch gefangen versinkt im Drogensumpf.
Christiane F., die ihr Leben zerstörte bevor es richtig begann, schildert minutiös ihren Weg nach Unten. 30 Jahre danach ist es schon teilweise belustigend, eine von Soziologen aufbereitete Geschichte zu lesen, man merkt sowohl an der Ausdrucksweise als auch an der Schreibweise einiger Begriffe, dass sie eigentlich nicht wissen worüber sie schreiben. Vielleicht war auch die deutsche Sprache noch zu clean für Fachtermini der Jugend- und Fixerkultur.
Es beeindruckt schon, was Berlin für ein Drecksloch war – oder hinter den marmornen Glitzerfassaden wahrscheinlich heute auch noch ist.
oscar Matzerath - 17. Apr, 14:16
Seit einiger Zeit gibt es einen neuen Fernsehsender in unseren Breiten zu bestaunen. Ein Sender, der sich ausschließlich an Männer richtet. Es laufen allerdings nicht den ganzen Tag Erotikfilme aus den siebziger Jahren mit bis unter die Achseln behaarten Frauen und Männern in bunter Frottee Unterbekleidung, sondern Sendungen für den Mann, der „Im Hause der Intelligenz eher im Keller wohnt“. Klar, die Erotikfilme der Siebziger würden auch unter diese Kategorie fallen, aber es geht auch ohne Titten und pseudosoziologische Studien. Man muss einfach an andere Urinstinkte des Mannes appellieren. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang Autos, Tattoos, Angeln, Motorräder, allerlei Kriegsgerät und Baumaschinen. So geht das tagein-tagaus. Eigentlich eine Beleidigung für den emanzipierten Mann, ertappt man sich doch leider hin und wieder, hin bis all zu oft dabei, dass man gerade bei diesem Sender hängen bleibt. Wann gibt es sonst in solcher Regelmäßigkeit Bilder aus Miami, Orange County (nicht das in Kalifornien – sondern irgendwo an der Ostküste), LA, London oder dem schönen Westerwald zu sehen? DMAX – die Geißel der Männlichkeit!
Mann kann aber auch ein weltläufiges Interesse an kulturellen Gepflogenheiten vorschieben, um eine Stunde in der Woche DMAX zu schauen. Ging mein Großvater früher fast jedes Jahr auf die Tourismusbörse unter dem Berliner Funkturm um sich mit Menschen aus Afrika zu unterhalten, kann man heute mit Anthony Bourdain um die ganze Welt reisen und zusehen was man alles sehen und essen kann. Ob in China hundertjährige Eier, in Frankreich stinkenden Käse aus Höhlen oder in Afrika Heuschrecken – in Berlin gab es Currywurst, Eisbein und Sauerkraut… Ein Highlight war der Genuss von Schafshirn an einem indischen „Schnellimbiss“. Es ist schon beachtlich, was ein Mensch in sich hineinfressen kann, ohne zuzunehmen. Entweder der Herr steckt sich wenn die Kamera aus ist die mitgeführte Pfauenfeder in den Rachen oder es ist das Heroin, welches ihn für immer zu einem spacken Persönchen hat werden lassen. Von seinen Essgewohnheiten her könnte man von einer Mischung aus Obelix und Rüdiger Nehberg sprechen. Die Erlebnisse diese Hardy Krüger des Kochlöffels lassen sich auch Intellektuell aufbereiten, indem man die Bücher des Herrn Bourdain liest. Die autobiografischen Anekdoten im oben genannten Buch lassen einem allerdings schon nach wenigen Kapiteln die Haare zu Berge stehen. Demnach muss jeder Koch, zumindest in Amerika, aspirinsüchtig, alkoholabhängig und drogenabhängig sein. Es werden keine rafinierten Kochrezepte vermittelt, sondern Schauergeschichten weitergegeben. Leicht zieht man Vergleiche zum Stammitaliener der Eltern und denkt sich, so kann das dort nicht sein. Demnach entpuppt sich jede Küchenbesatzung, welche ihre Gerichte noch selbstständig zubereitet, als Besatzung eines Piratenschiffes – ein raues Volk das ständig im Bunde mit Koks und diversen Alkoholika steht. Der Untertitel „Was Sie über Restaurants nie wissen wollten“ steht zurecht als Warnung auf dem Buchdeckel.
oscar Matzerath - 17. Apr, 14:15
Das Wichtigste vorweg: ich hab mein Examen bestanden. Jetzt liegt das Kapitel Universität hinter mir und ich kann auf Kinder losgelassen werden, wenn man mich nur lässt...
Die Prüfung verlief durchwachsen. Der erste Teil (30 Minuten Mittelalter) waren echt gut, aber dann kam der Bruch. Durch die 20 Minuten Dreißigjähriger Krieg lavierte ich mich noch einigermaßen durch. Als dieser Part geschafft war, atmete ich auf, denn den letzten Teil konnte ich eigentlich recht gut und sicher. Es begann mit einer Frage zur Oder-Neiße-Grenze und ich dachte mir noch - ist ja mal ein komischer Beginn für eine Prüfung über die Staatssicherheit und ich bin ja mal gespannt, wie er den Bogen kriegen will. Ich wartete leider die letzten 10 Minuten vergebens, der Bogen kam nicht. Und so war meine Lernerei total für den Arsch. Keine Stasi, alles Umsonst. Eigentlich hätte ich auch zur Hallstein-Doktrin genug sagen können, aber leider war ich nicht souverän genug mit der Situation umzugehen. Ich saß immer nur da, vollkommen paralysiert und dachte warum fragt er nicht das was wir besprochen haben...
Am Ende wurde mir noch vom Mann vom Landesprüfungsamt mangelndes Tiefenwissen vorgeworfen. Der Penner, wenn der wüsste. Aber duch die guten Klausuren konnte an der Note noch was gerettet werden.
Jetzt ist es vorbei und ich ohne geistige Beschäftigung. Hoffentlich lässt sich die innere Anspannung so lange halten, bis ich mir einen passenden längeren Auslandsaufenthalt als Lehrer gesucht habe. Wenn ich daran denke, dass es in Berlin drei Jahre dauern kann, bis mir ein Referendarsplatz zugewiesen wird, dann könnte ich jetzt schon heulen.
Die Pläne heißen Arbeiten. Verreisen. Lesen. Und sich möglichst bald für ein halbes Jahr vom Acker machen.
oscar Matzerath - 10. Apr, 14:20
... und an einer hand sieben finger hätte,
dann könnte man die tage bis zur letzten prüfung
an der besagten hand abzählen...
aber auch für regelmäßig gewachsene ist offensichtlich, dass die zeit allmählich drängt. was macht es da nicht für freude, wenn einem in der letzten sprechstunde freundlich und hilfsbereit noch schnell ein stapel bücher überreicht wird. "schauen sie doch da noch einmal rein" - gehts noch?
jetzt sitzt man mit vollen taschen in der bibliothek und weiß nicht wo man anfangen soll.
und nach der prüfung fällt man in ein tiefes loch und weiß nicht wohin mit der vielen zeit und muss nahezu alle sozialen kontakte der letzten jahre erst einmal neu knüpfen. vielleicht sollten sie zu diesem zweck in der stabi postkarten verkaufen - dann kann man alten freunden schreiben und mitteilen, dass man noch lebt.
oscar Matzerath - 1. Apr, 12:52
wenn ab Monatag auch noch die liebe Bahn streikt. Warum streiken die Penner eigentlich immer wenn ich Examensprüfungen habe?!
oscar Matzerath - 5. Mär, 15:26
Wir Berliner sind ja bekanntlich die Erfinder der Freundlichkeit
Heute Morgen um kurz nach neun an der Éingangskontrolle der Staatsbibliothek (Man wird an dieser Stelle beim Betreten und Verlassen des Gebäudes kontrolliert wie ein Arbeiter in einer Diamantenmine - es fehlt nur noch die tägliche Röntgenuntersuchung). Ein Jurist (Marke coole, auf alt gemachte Klamotten mit Stock im Arsch) hält ergeben die Arme in die Höhe, wie bei einer Polizeikontrolle oder bei einem Banküberfall, und an seinen Händen baumeln mehrere durchsichtige Plastiktüten (kein Koks) in denen er seinen PC und einen Stapel Bücher befördert. Anscheinend mit den iesigen Sitten nicht ganz vertraut (Man hat anzugeben wieviele Bücher man mitführt - ob privat, Eigentum der Staatsbibliothek oder einer anderen Bibliothek). Gsht es fast zu wie an einem Grenzübergang der DDR, allerdings bleibt einem der Zwangsumtausch erspart. Der Benutzer sieht die Frau am Schalter erwartungsvoll an, diese bliebt stillschweigend zurück. mürrisch wie immer. Nach etwa fünf Sekunden Stille fragt sie ihn, scheinbar freundlich, "können sie sprechen?" Der Benutzer (bei der Polizei heißt es immer "der Bürger") gucit irritiert und entsetzt, bejaht, um gleich daraufhin erneut angepflaumt zu werden: "Was sind das denn nun für Bücher in ihrer Tüte?!"
Wie wäre es einmal mit einer Schulung des Servicepersonals?
Seitdem der Rolf nicht mehr da ist bleiben dem Benutzer zumindest die handgreiflichen Übergriffe erspart, aber ansonsten ist man wirklich gerne hier.
oscar Matzerath - 27. Feb, 09:48
heute zum welt-stadtführertag erschien im tagesspiegel eine übersicht über verschiedene stadtführungen in berlin. bei einer anzeige fragt man sich allerdings, wie nationalsozialismus und ddr zusammengehören!
TRABI-SAFARI
Auf Ostalgie-Kurs mit Autokorso durch die Stadt: Der Führer ist über Funk zu hören; ab 25 Euro pro Person, Telefon ..., www.....de.
mann sollte schon ein wenig auf seine formulierungen achten. ich kenne das problem!
oscar Matzerath - 21. Feb, 15:12
endlich wird der monatelange Fleiß auch einmal belohnt. So wurde mir vorhin in einer feierlichen Zeremonie eine Flasche Freibier überreicht. Mit den Worten "mach weiter so du bist auf dem richtigen weg!"
Na gut, stimmt nicht ganz, aber Freibier gab es wirklich - dank Berlinale.
oscar Matzerath - 14. Feb, 16:12
eigentlich dachte ich, dass nach den klausuren ewrst einmal ein, zwei wochen ruhe ist. vielleicht kann man etwas entspannen oder sogar ein paar tage wegfahren um den akku wieder aufzuladen. allerdings erwies sich dieser wunschtraum sehr schnell als trugbild. bereits vor der letzten klausur heizte einem schon wieder der erste prüfessor ein, wie viele bücher noch zu lesen seien - von der sekundärliteratur spreche ich an dieser stelle noich gar nicht.... einen abend ein wenig gefeiert und ein weochenende verbummelt und aus ist es mit der freizeit.
nun sitze ich bereits wieder seit tagen in den bibliotheken dieser stadt. wenn man dachte, dass es in der tu-bibliothek laut sei, dann hat man noch nicht auf der baustelle staatsbibliothek gelernt. hier wird gesägt und gelärmt dass es eine freude ist.
oscar Matzerath - 8. Feb, 09:49