Zu gut für diese Welt
Als ich heute von der Arbeit kam, hielt ich noch schnell vor dem Supermarkt um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Auf meinem Fahrradstellplatz stand ein Penner wie er im Buche steht: lange Haare, einen Bart bis zur Brust und eine ordentliche Schnapsfahne. Vor den Füßen ein roter Tetrapack mit Rotwein. Er spuckte gekonnt auf den Boden bevor er mich ansprach. „Können Sie mir ein bisschen Wein aus dem Supermarkt mitbringen?“, hörte ich sein Anliegen aus seinem Gelalle heraus. Ganz der Vernunftmensch schoss mir sofort der Gedanke in den Kopf „solchen Leuten soll man lieber was zum Essen kaufen“, und so lehnte ich seine Bitte vehement ab und ging in den Laden. Da mein Einkauf äußerst klein ausfiel und mich schnell zur Kasse führte, überlegte ich es mir schnell anders und warf den Spießer über Bord. Soll der Typ doch seinen Spaß haben und es kostet mich nur einen Euro. Vollkommen emotionslos zog die Frau an der Kasse die Ware über den Scanner und ich brauchte mich nicht mehr zu schämen. 9,5 % hat die Suppe, kein Wunder, dass der Typ schon so einen Pegel hatte. Mit dem Gefühl mildtätiger zu sein als die Heilsarmee verließ ich den Laden und war drauf und dran die Welt des Fremden zu verbessern. Aber Moment, wo ist der Typ? Vor dem Supermarkt war alles verlassen. Nun stand ich da, mit meiner Mildtätigkeit im 1l Tetrapack und kann das Zeug wohl zum Blumengießen verwenden oder zum Fensterputzen.
oscar Matzerath - 28. Jan, 17:54