Dienstag, 4. Januar 2011

Anstandsbesuch bei einer alten Dame im Wedding

Eigentlich habe ich ja keine Zeit, besser gesagt ich habe keine Lust, dort hinzugehen. Zur alten Dame in den Wedding. Aber der Anstand verlangt es. Schließlich hat sie sich jahrelang um den kranken Großvater gekümmert und ist nun im Alter einsam. Das kann man doch mal machen, da freut die sich!
Also finde ich zum verabredeten Zeitpunkt in ihrer Wohnung ein, werde, mit schlabberigen Küssen, geherzt und zum Ablegen genötigt. Eigentlich wollte ich so schnell wie möglich mit ihr ins benachbarte Restaurant, um dem Spuk ein schnelles Ende zu setzen. Doch sie beginnt zu erzählen, vom Krieg, vom Jugendfreund von der Verwandtschaft auf dem Bauernhof, als ob seit sechzig Jahren kein Tag vergangen wäre und ich die Geschichten noch nicht kennen würde. Auf die Frage, ob wir den nicht mal gehen wollen, sagt sie mit Inbrunst, dass wir ja bei ihr kochen könnten. Normalerweise bin ich Hobbykoch aus Leidenschaft, aber in meiner Kücke bzw. in einer Küche, bei der mich nicht ein Schauer nach dem anderen überfällt. Aber immerhin so können wir die Prozedur des Anziehens, die Fragen nach der Witterung und den beschwerlichen Fußmarsch ins 300 Meter entfernte Restaurant sparen.
Mal schauen was der Kühlschrank hergibt. Die alte Dame kocht nie für sich allein – macht ja so viel Arbeit – und somit kann auch kaum was brauchbares eingelagert sein. Sie zaubert mehrere kleine Päckchen mit Alufolie hervor: eins sieht verdächtig nach den Festtagsresten der Weihnachtsfeiertage aus: Klöße, Rotkohl und Fleisch. Die anderen Pakete enthalten Kartoffelsalat. Diesen gibt es in Berlin für Gewöhnlich am 24.12., also ist er wohl noch älter als das Fleisch aus dem Kohlpaket. Man bedenke, dass es gestern den 3.1. hatte. Aber wo noch kein Schimmel drauf ist, da ist wohl auch noch Genuss drin. Im Krieg hatten wir noch weniger zu Essen, obwohl das in diesem Zusammenhang nicht zutrifft, da sie immer gut versorgt war.
Teewasser brauchen wir auch noch, aber dafür muss erstmal der Milchtopf ausgewaschen werden. Die geronnene Milch widersetzt sich hartnäckig dem lauwarm aus der Leitung plätschernden Wasser. Da hilft nur Wasser aufkochen und anschließend mit einer Gabel den Topf auskratzen. Währenddessen wärmt sie den Salat auf, in der Pfanne und mit einem faustgroßen Stück Magarine. Das Argument, dass diese doch viel zu viel Wasser enthalte, wird abgeblockt, schließlich habe sich die Beschaffenheit dieses Produktes in den letzten fünfzig Jahren doch stark verbessert. Als der Gasherd den Topflappen entflammt, durch meine Unachtsamkeit, beschließe ich die Reißleine zu ziehen und biete mich an Würstchen zu besorgen. Schnell den Rucksack schnappen und dann über alle Berge – die alte Dame ist schließlich schon etwas vergesslich. Ich war einfach nie in der Wohnung. Das Angebot wird durch ein Glas Bockwürstchen in saurer Einlegsoße versperrt. Schon habe ich die emaillierte Kasserolle in der Hand, die von unten schon rostet, und stehe am Herd. Mostrich braucht es auch noch und siehe da, sie hat noch ein Glas im Haus, allerdings bleibt unklar wie lange dies schon geöffnet ist. Teller auf den Tisch. Sie bekommt den schlechtabgespülten und dann ran an die Wurst. Der Topflappen liegt im Ausguss und kühlt die Brandverletzungen. Sie sabbelt und sabbelt von der guten alten Zeit, isst dabei Kartoffelsalat und gnubbelt an der Wurscht rum, deren Labberpelle anscheinend immer noch zu fest für die Dritten ist. Ich mache eine Wurstdiät. Zwischendurch versuche ich sie noch über ihre Tätigkeit beim BDM aus, aber fünfundsechzig Jahre Verdrängung wirken auch diesmal. Mit 12 zu den Jungmädels und im nächsten Atemzug war sie schon bei der Luftwaffe. Die fünf sechs Jahre dazwischen scheint es nie gegeben zu haben und auch die Berlin-Blockade fand für sie in den fünfziger Jahren statt. Da ist für den Historiker nichts zu holen. Also Mantel an und ab durch die Tür. Glücklicherweise neige ich nicht zu Grieben, aber das tu ich mir nicht noch mal antun! Das nächste Mal gibt’s auf meine Kosten Curry ohne Darm an einer Eckbude im guten alten roten Wedding.

Sonntag, 19. Dezember 2010

Ach könnte der Schnee doch allen Menschen Ruhe und Zufriedenheit bringen

Vor der Tür liegen schätzungsweise 15cm Neuschnee und die Welt sieht so friedlich aus. Leide ist dieser Friede nicht in allen Menschen anzutreffen. In einigen brodelt gerade ein emotionaler Vulkan, der sich unweigerlich einen Ausweg sucht.
Man will helfen, kann aber nichts tun und ist gezwungen zuzusehen, wie sich der Vulkan den Weg an die Oberfläche sucht.
Hinter diesen beiden Türchen sitzt wieder der Schnee und im anderen Hohlraum ein menschenzerfressender Vulkan.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Hinter diesem Türchen sitzt leider kein Islamist mit Bombenturban

Wo sind die bombenlegenden islamistischen Extremisten, wenn man sie mal braucht. Wahrscheinlich kennen sie den J.B.K. nicht gut genug, um in ihm ein lohnendes Opfer zu sehen.

Montag, 13. Dezember 2010

Hinter dem nächsten Türchen steckt ein Pausenclown mit Namen "Zecke"

Opium fürs Volk
Was soll das? Warum wird ein Andreas Neuendorf zurückgeholt? Von den Spielern, die heute bei Hertha spielen, kennt den eh keiner mehr. Nur die Fans der Ostkurve lassen sich von diesem Karnevalsstück beeindrucken. Ich dachte in Berlin gibt es keine elfte Jahreszeit.
Das wirkt auf mich wie die Anstellung eines Pausenclowns!

Samstag, 11. Dezember 2010

Den Weg hätten sie sich sparen können - So manches Türchen wird erst nach einem Läuten geöffnet

Man sitzt am Frühstückstisch als es klingelt. Das werden wohl die Weihnachtsgeschenke sein, die der Paketpostmann bringen muss. Da stiefeln zwei Leute in den zweiten Stock – nicht von der Post, sondern von den Zeugen, vom städtischen Tierschutzverband oder von der Märchenerzählergilde. Dies würde zumindest erklären, warum sie mir was zu Lesen dalassen wollten. Dankend lehne ich ab und hätte ihnen gerne ein paar Klausuren mitgegeben. Da können sie dann selbst drin lesen.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Türchen Türchen

Hinter der heutigen Tür steckte dir Winter, der mir erneut zwei Stunden Schulfrei bescherte. So kanns gerne bis Weihnachten weitergehen.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Baggern im Bus - wieder ein Türchen

Diese kleine Komödie spielte sich direkt hinter meinem Rücken im Bus ab. Ein alter Mann sitzt im Omnibus, neben sich einen leeren Platz. Da lässt eine alte Frau sich neben ihm nieder. Ein paar Minuten schweigen, dann fragt er nach der Uhrzeit. Sie: "es muss fünf vor fünf sein, meine Uhr steht auf fünf und ich stelle sie immer fünf Minuten vor. Ist also fünf vor fünf." Sie lässt sich über das Wetter und den Schnee aus. Wieder ein paar Minuten Ruhe. Er fragt ganz unverblümt und ohne Schnörkel: "Wie alt sind Sie denn?" Sie pikiert: "So was fragt man doch nicht!" Er: "Nu sagen se schon." "Das geht sie nichts an."
Von nun an herrschte eisiges Schweigen und vorbei war es mit der Balz.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Türchen Nummer sieben und acht

Gestern kaufte ein Mann im Spielzeugladen für seinen Sohn eine Blechtrommel. Er feierte gestern seinen dritten Geburtstag.

Heute war eine unglaublich dicke Frau beim Sport, die sich über ihre Muskeln unter der Rüstung wunderte.

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Zuletzt aktualisiert: 15. Jul, 02:08

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