Samstag, 3. Juli 2010

Die Menschen sind schon anders - Jobsuche in NRW

Eigentlich hatte man gar keine Zeit das Bestehen des Zweiten Staatsexamens zu genießen, denn schon bald danach ging der Bewerbungsmarathon los und man wurde zum pädagogischen Klinkenputzer oder zum klinkenputzenden Pädagogen. Dass Nordrhein-Westfalen ziemlich groß ist, besagt schon der Name, aber so recht konnte ich mir da keine Vorstellungen machen, bis ich im Auto und der Bimmelbahn unbekannte Welten bereist habe.
Hier ein kleiner Bericht:
Vor wenigen Tagen hatte mich eine Gesamtschule nach Soest zum Gespräch eingeladen. Einladungen sind ja schon mal gut, aber wo zum Teufel liegt Soest? Am nächsten Tag war der Rucksack mit Lektüre und Proviant befüllt und es ging los. Nach dem Gespräch musste ich von der Schule wieder zurück zum Bahnhof und da das Taxi, welches mir den Hinweg erleichtert hatte, natürlich über alle Berge war, stand ich an einer Bushaltestelle und wartete. Ich wartete inzwischen eine gewisse Weile, als ein deutlich adipöses Hartz-IV Ehepaar mit zwei vollbepackten Einkaufswagen an mir vorbei in die Richtung ging, in welche der Bus fahren müsste. Solche Menschen haben doch eigentlich Zeit und könnten gesellig mit mir auf die Beförderung warten. Es machte mich nachdenklich, warum ich immer noch dort stand und ich erinnerte mich an einem Bericht aus dem Radio, indem von Bushaltestellen an denen niemals ein Bus hält, berichtet wurde. Dabei handelt es sich um eine Behandlungsmethode für Demenzkranke. Diese Haltestellen stehen meist vor Pflegeeinrichtungen und sollen die verwirrten Menschen, die häufig das Bedürfnis verspüren nach Hause zu fahren, in der Nähe der Einrichtung binden. Sogar Fahrpläne seien vorhanden auf denen nur ganz klein der eigentliche Zweck dieser Haltestelle vermerkt sei, so der Bericht. Wenn nach einer gewissen Zeit kein Bus käme, würden die Menschen vergessen warum sie an der Haltestelle stünden und würden den Weg zurück in die Pflegeeinrichtung antreten. Mein Fahrplan wies diesen Hinweis jedoch nicht auf und der Bus kann volle Kanne zu spät, sodass ich meinen Zug verpasste und noch knapp eine zusätzliche Stunde in Soest geschenkt bekam. So konnte ich Ausschau nach dem Guido halten, der alljährlich, wenn das Wetter wärmer wird, mit seinem Bratwurstsong den Sommer herbeisingt. Zu einem Treffen kam ich nicht und sah mich gezwungen in Bahnhofsnähe eine Mantaplatte zu essen. Dachte den Ruhrpott hätte ich hinter mir gelassen. Auf nachfrage erfuhr ich: Mantaplatte = Pommes mit Curry mit rot weiß. Reisen bildet.
Eines anderen Tages war ich in Oberhausen und absolvierte an einem Gymnasium das Auswahlprozedere. Die Schule an sich war in einem Gebäude von 1905 angesiedelt und hätte als Drehort der Feuerzangenbowle fungieren können. Ohne Schüler machte sie einen guten Eindruck, aber bereits die Fragen im Gespräch ließen auf ein gewisses Problempotenzial schließen. Im Anschluss besuchten wir ein nahegelegenes Einkaufszentrum und ich konnte mir die Samstagsvormittagsshopper ansehen. Der Deutschlandhysterie alle zwei Jahre, bei der alle Menschen in den Landesfarben herumlaufen, in großen Massen Fußball schauen und dabei den Nebenmann/die Nebenfrau mehr oder weniger unauffällig begrabschen und Sachverstand heucheln, stehe ich sehr skeptisch gegenüber. Das dieses Spektakel hier am karnevalbegeisterten Niederrhein auch noch „Rudelgucken“ heißt, macht es nicht besser. In Oberhausen auf dem Parkplatz stand nun also ein Motorrad, welches mit zwei dieser Billigstandarten am Gepäckhalter ausgerüstet war – schön mit weißem Kreppband befestigt. Allerdings erwies sich der Fahrer eher als schmächtig und trug auch keine Lederjacke sondern Jogginghose und ein ausgeblichenes Chiemsee-t-shirt, wahrscheinlich im letzten Türkeiurlaub billig am Straßenrand erstanden. Anschließend kam ein alter Mann mit einem Einkaufswagen aus dem Supermarkt. In diesem saß seine Enkelin, die nicht aussteigen wollte. Nach einiger Zeit erfolgte eine klare Ansage des Großvaters: „So Kathi, nu komma. Der Oppa muss jetzt zu Hause.“ Zum Glück erreichte mich wenige Minuten später die Absage der Schule. Da sagt man immer die Kinder aus den Familien mit Migrationshintergrund würden schlecht Deutsch sprechen. Die sprachliche Verwahrlosung beginnt aber bereits mitten im Ruhrgebiet.
Ach ja, eine Kuriosität habe ich noch vergessen: In einem Nachbarort von Soest muss es in einem Industriegebiet eine Disko geben, die eine Schoolisout-Party veranstaltet. Jeder soll sein Zeugnis mitbringen und der/die mit den schlechtesten Noten bekommt den ganzen Abend Freigetränke.
Über das Ergebnis der Suche unterrichte ich in Kürze mit Fotos.

Sonntag, 30. Mai 2010

Vergangenes Handwerk

Berlin hat immer wieder neue Ecken zu bieten:
CIMG3028

Montag, 24. Mai 2010

Regenimpressionen

Ich sitze am Schreibtisch und sehe aus dem Fenster in den Garten
Dieser verschwimmt und wird durch einen grauen Vorhang aus Regenschnüren von mir getrennt
Ein einziges lautes Rauschen verschluckt alle anderen Geräusche
auch die Vögel schweigen und stecken den Kopf unter die Flügel

Mittwoch, 12. Mai 2010

Die Schüler vom Gymnasium…

Heute gab es bei uns mehrere Schülergespräche, weil ein Junge aus der sechsten Klasse von Achtklässlern auf die Fresse bekommen hat. Die Geschichte, die dahinter steckt, stellt den Pädagogen vor eine schwere Wahl, ob er lachen oder schimpfen soll.
Es ging um die Benutzung des Fußballplatzes. Dabei hat es schon einige Male Ärger gegeben zwischen den beiden Klassen und es gilt die Regelung, dass die Klassen sich abwechseln. Gestern spielten dort wieder einmal die Sechstklässler und verweigerten die Räumung des Bolzplatzes – Wer hier Recht oder Unrecht hat sei einmal dahingestellt -. Die beiden Gruppen gerieten ins Pöbeln und ein kleiner dicker Junge wurde aufgrund seines Körperumfangs gehänselt. Darauf der kleine dicke Junge: „Ich fick jeden Tag deine Mutter und kriege jedes Mal ein Bonbon dafür, deshalb bin ich so dick.“ Hurra, hurra!
Weil die größeren Jungs des kleinen Dicken nicht habhaft werden konnten, bekam der Kumpel eine auf die Fresse.

Ansonsten wurden heute meine Planungen fürs Examen zerrupft und mir quasi Nachsitzen aufgebrummt. Alle meinen es gut mit Ratschlägen, Tipps und Verbesserungshinweisen. Ab Mittwoch heißt es dann "Fickt euch!" Wann ist endlich Mittwoch?!

Samstag, 8. Mai 2010

Lernen, Stundenentwurf schreiben und Lernen

Nachdem ich seit Wochen ununterbrochen am Schreibtisch sitze, ging es heute zu einem Entspannungsbier zum Helmut. Wir waren ca. 30 Minuten dort, aber es kam wieder ganz dicke. Da hatte ein Gast ein Lied komponiert - mit Orgel und Gesang - auf den besten Wirt der Welt. Der Refrain hatte es schon in sich: "Helmut ist Helmut geblieben, so wie seine Gäste ihn lieben..."

Dienstag, 20. April 2010

Heute beim Hähnchenmann,

hatte ich wieder so ein typisches Ruhrpotterlebnis. Da steht auf dem Parkplatz so ein kleiner Anhänger, aus dem es verführerisch nach Hähnchen duftet. Rüber mit dem Bad über Blumenrabatten und ran an den Stand. Vor mir wird noch eine Kundin, bedient mit Hachse und Huhn, die sich beim Verkäufer dafür entschuldigte, dass sie ihm beim Steakbraten unterbreche. Der Mann wiegelte ab und warf das Steak in eine Wanne mit heißem Fett, wo es fleißig zu brutzeln begann. Er könne auf zwanzig Hochzeiten gleichzeitig tanzen, er habe für die Bundeswehr gekocht, für 1200 Mann. Aber er koche lieber für 1200 Mann als für drei Offiziere, was er auch bereits getan habe. Da bin ich ja zu einem Spitzenschmied an die Bude geraten! Fürsorglich mit gegrilltem Federvieh versorgt ging es nach Hause, wo der Vogel nach Mittelaltermanier mit den Händen zerlegt und verspeist wurde.
Wie passend war es da, als ein Beitrag über Mittelaltermärkte aus dem Radio scholl.

http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/hundert_sekunden_leben/201004/140467.html

Freaks gibt es überall, ob bei den Unterwelten, in der Schule oder auf Mittelaltermärkten!

Mittwoch, 31. März 2010

Moderne Landstreicher oder Ausbau der Serviceleistungen

Vor dem Fenster zieht mit einem zarten Silberstreif der neue Tag heran und man ist froh, noch mit bestem Gewissen eine halbe Stunde im Bett liegen zu können, da ja Ferien sind. Wohlig warm liegt man unter der Decke, die bis zum Kinn emporgezogen ist und steckt sich die Kopfhörer des MP3-Spielers in den Kopf, um noch ein wenig einem Hörbuch zu lauschen in aller Behaglichkeit. Plötzlich schrillt ein Klingeln durch das ganze Haus. Oh weh, da steht jemand am Gartentor und begehrt Einlass. Wenn das mal nicht der Paketmann ist, der schon gestern vergebens geschellt hat. Sofort steht man im Bett. Ein Griff nach der Hose, die im Gehen angezogen wird. Bevor die Tür geöffnet wird noch schnell alle Knöpfe zu und dann die Türe auf. Artig wartet auf dem Gehsteig ein Mann, der keine Pakete bringt, aber ein Sprüchlein aufsagt, wie man es sonst nur aus den öffentlichen Verkehrsmitteln kennt. Er wäre hier auf seiner jährlichen Tour und wüsste gerne, ob man ihm nicht mit ein wenig Kleingeld unter die Arme greifen könne.
Hallo, geht’s noch? Dafür holt der Typ mich aus dem Bett? Ist ja nett, dass man seine Mildtätigkeit jetzt schon an der eigenen Haustür verrichten darf, was zudem noch das lästige Fahrgeld spart, aber nicht morgens um acht. Den Strolch barsch abgekanzelt und zurechtgewiesen, die Tür zu, Kaffeemaschine an und Brötchen auf den Tisch. Ach wie behaglich lebt es sich in unserer Wohlstandswelt. Nur den Klinkenputzer will man nicht vor der eigenen Tür. Da schwappt die eine Welt in die andere über. Da kann man schon verstehen, warum Joseph und Maria im Stall schlafen mussten.

Samstag, 20. März 2010

Vergangenheitsbewältigung aus dem Pott

Dass die Leute hier im Pott unter dem Zweiten Weltkrieg ziemlich gelitten haben, erkennt man nicht nur an der abgrundtiefen Hässlichkeit ihrer Städte und der geistiegen Degeneriertheit des Volkes. Die Menschen hier knabbern aber immer noch an ihren Kriegsneurosen, die tief im Inneren zu schlummern scheinen.

Ein gutes Beispiel dafür ist ein Karnevalsschlager, der in der hiesigen Gastronomie ab und an gespielt wird:

http://www.youtube.com/watch?v=J-JFYMw5GRc
Hört selbst.

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Zuletzt aktualisiert: 15. Jul, 02:08

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