Montag, 4. Januar 2010

So ähnlich muss es den Menschen im Zweiten Weltkrieg gegangen sein, oder wie mein Opa zu sagen pflegte: „Die Einschläge kommen immer näher.“

Nach mehrwöchiger Abwesenheit komme ich von der Ostfront nach Hause. Die Ausrüstung trage ich im Rucksack bei mir. Der Stahlhelm sitzt auf dem Kopf, obwohl in der Heimat zur Zeit keine Gefahr droht. Die Stadt sieht im Schnee fast friedlich aus. Aber alle Makel kann selbst diese unschuldige Weiß nicht verbergen. Das letzte Stück Weg vom Bahnhof nimmt mich ein Truppentransporter mit, von dem ich an der Ecke abspringe. Nur noch wenige Meter bis zum Haus. Unsere Häuserzeile hat die Zeit meiner Abwesenheit unbeschadet überstanden, aber was ist mit dem Haus gegenüber? Ich blicke in leere, dunkle Fensterhöhlen. Der Schlagbaum steht wie ein Phallus emporgereckt und ist zugleich Mahnmal für das was hier einmal war. Der Getränkemarkt ist nicht mehr da und die tägliche Versorgung mit Grundnahrungsmitteln ist um ein großes Stück schwerer geworden.

Freitag, 18. Dezember 2009

Die Balkanisierung der Bundesrepublik

Über Monate fällt in Berlin die S-Bahn aus, in Köln stürzt ein Archiv ein, in der Bundesliga werden Spiele verschoben…
Heute kaufte ich im Supermarkt ein Tüte mit Maronen. An der Kasse blickte die Kassiererin auf ihren Merkzettel und noch einmal in die Tüte und wieder auf ihren Zettel. Das seien doch Kastanien, fragte sie. Nicken während sie wieder auf ihre Liste blickt und anschließend eine Kollegin fragt, die ihr antwortet sie müsse einmal unter Maronen nachgucken. Gut, dass das nicht einmal die Kassiererin weiß.
Stunden später auf der Post. Ein Umschlag für den Bruder in Wien wird aufgegeben. Die Postbeamtin notiert das Wort Österreich unter der Anschrift und kommentiert dies mit den Worten: „Das müssen wir draufschreiben, wissen ja nicht alle so gut bescheid wie wir.“ Bitte wie? Bei mir in der Schulzeit nannte sich so ein Wissen „Briefträgererdkunde“
Vielleicht sollte bei uns einmal jemand eine Kulturrevolution starten?!

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Vorweihnachtliche Besinnlichkeit

So etwas kommt hier am Niederrhein, zumindest bei mir, nicht auf, auch wenn die Straßen des nächtens mit einem weißen Deckchen überzogen wurden. Wobei dabei für mich die Problematik des sicheren Radfahrens zur Schule aufkommt und der Fahrradhelm wieder hervorgekramt werden muss, da er den Kopf vor Blitzeis schützen soll.
Zwei Unterrichtsbesuche in drei Tagen lassen einen das alles vergessen und man avanciert zum Stubenhocker, während andere auf Weihnachtsmärkten den Glühwein auskotzen. Im Supermarkt dudeln X-Mas-Songs und bei mir im Kopf dudelt die Frage, mit welcher Methode ich die Kinder überlegen lasse, ob der 3. Oktober das richtige Datum für einen Nationalfeiertag ist. Gut, dass ich mich für einen anderen Inhalt für den Unterrichtsbesuch entschlossen habe, denn in der Vorstunde war die Frage nach dem genauen Termin der Deutschen Einheit resonanzlos in den Weiten des Klassenraumes verhallt. Irgendwann kamen doch einige Vorschläge, die aber eher an eine Terminfindungsdebatte erinnerten, als an konkretes Wissen. Erst der Hinweis auf den Tag Schulfrei, welchen es jährlich im Andenken an dieses Ereignis gibt, brachte etwas Klarheit.
Der Besuch vom Chef war da. Ich bekomme den Hinweis noch tiefer in die Methodentrickkiste zu greifen und könnte kotzen aufgrund so viel kluger Ratschläge.
Im Lehrerzimmer komme ich an meinem Fach vorbei und drinnen liegt ein Aufsatz mit dem Titel: „Die Lehrerperson im erziehenden Unterricht“. Ich glaube es nennt sich Weltverschwörung was hier läuft!

Samstag, 12. Dezember 2009

Menschen, die unser Land regieren

Familienministerin Kristina Köhler in ihrem Abibuch 1997: „Ich bin verfressen, selbstverliebt, unsportlich, streberhaft, skrupellos, arrogant, geltungssüchtig, egoistisch, eitel, karrieregeil, maßlos, spießig, dekadent und irgendwie einfach liebenswert“, veröffentlicht im Stern.
Auch wenn diesen Zeilen eine Menge Ironie innewohnt, lassen andere Details doch tief blicken und die Sympathiewerte deutlich abstürzen. Es ist auch schon schlimm genug, dass man diese Informationen von der Springerpresse serviert bekommt: Als andere Teenager auf Partys gingen, war Kristina Köhler bei Sitzungen der Jungen Union. Andere Mädchen schwärmten für Pop-Stars, sie hatte eine Kohl-Büste im Zimmer stehen. Weil sie nicht wie alle übrigen Jeans und T-Shirt trug, sondern in Rock und Bluse zur Schule kam, nannten sie Mitschüler die „aufgetakelte Möchtegern-Bundeskanzlerin“.

Was tummeln sich da nur für Leute in der Politik – erst Herr Westerwave und nun eine Kohlanbeterin – gab es keine andere Vaterfigur?

Freitag, 4. Dezember 2009

Zu Gast bei Sabine und Helmut

Eine Stunde nach Schulschluss erreichte mich der Anruf einer gelangweilten Kollegen, die sich mit mir zum Weihnachtsgeschenkekauf treffen wollte. Nachdem alle betretbaren Geschäfte in Rheydt durchwandert waren, ging es für ein Feierabendbier in die Kneipe, deren Namen ich nicht mehr weiß. Dunkle Holzwände, dunkle Tische in Nischen und an den Wänden eine Tapete aus Teppichtroddeln. An der Decke ein Ventilator, der keine Runden mehr dreht und hinter dem Tresen eine Leimwand und Sabine. Die Bestellung eines Weizenbieres wurde abschlägig beschieden: „Hamma nich.“ Gut dann bitte ein großes Alt. Sabine: „Hamma nich.“ Ist das hier eine Kneipe oder ein Trockendock. Ein kleines Alt oder ein Alt-Schuss (Alt mit einem Schuss Malzbier) könnte ich bekommen, aber große Altgläser gibt es nicht. Ich könnte auch ein Alt in einem großen Pilsglas bekommen. Die offerierte Todsünde nahm ich dankend an, was mir den restlichen Abend den Spott der Wirtsleute einbrachte. Das Pack kennt halt keine Berliner Trinkkultur. Da wird man jahrelang in einer unvergesslichen Berliner Art mit dem Satz erzogen: „Draußen nur große Mollen, sonst muss ich so viel loofen.“ Und dann kommt man an den Niederrhein. Hier habe ich schon Alt aus Weizengläsern serviert bekommen, weil die Mongolen keine passenden Gefäße bereitstellten.
Um die Tränke versammelt sich unterdessen die eingeborene Trinkgesellschaft. Man kennt sich mit Vornamen und säuft wahrscheinlich schon seit dem Kindergarten miteinander. Der eine erzählt von seinem Vaterschaftstest noch zu D-Markzeiten. Andere philosophieren über den letzten Sieg der Borussia bei den Bayern, im Radio laufen Schlager und wir zu dritt mittendrin. Zufälligerweise haben wir uns gute Fußballplätze gesichert und werden von jedem Neuankömmling misstrauisch beäugt. So kann es gehen. Sabine wird von Helmut abgelöst, der ebenfalls über den Alttouristen lästert und uns zur Zurückhaltung ermahnt, sonst würden wir den Beginn des Spiels nicht mehr mitbekommen. Am Tresen spalten sich die Ansässigen in Fußballbegeisterte, die um 19 Uhr das Schnapstrinken einstellen und Gesellschaftssuchende, die vom Begrüßungsbier zum Gedeck übergehen. Hinter der Theke holt Helmut die Borussia Fahne heraus und genehmigt sich eine Prise Schnupftabak. Der Vaterschaftstest konsterniert, dass er nichts dafür könne wenn seine Alte einen Hammer habe. Und Marcel Reif bezeichnet den Spielball als Pestilenz für jeden Torwart. Dirk kommt rein, oben Platte und hinten ein Minizöpfchen. Zur Halbzeit brechen wir auf, da es gilt eine Isomatte im Internet zu ersteigern. Vorher reserviere ich mir einen Platz in der ersten Reihe für das Spiel der Hertha am Sonntag. Als wir gehen schnäuzt sich Helmut zum wiederholten Male in sein Stofftaschentuch.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Volkskrankheit Depression - wenn Promis am Leistungsdruck zerbrechen

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Mittwoch, 18. November 2009

kindliche Provokation

Heute war ich zur Ablenkung und Belohnung beim Chinesen. Kurz nach mir traf eine Familie ein, die den Geburtstag des Großvaters am Frittierbuffet feierte. Es war schon interessant, welche Vorlieben die Kinder essenstechnisch offenbarten. Der Sohn/Enkel war ganz heiß auf Wackelpudding - typisch chinesisch - und die Tochter (ca. 3/4 Jahre alt) hatte eine Vorliebe für Pommes. Erstaunt stellte ich fest, dass das Personal Mayonnaise gereicht hat.
Nachdem sie fertig gegessen hatte und mit Malzeug ruhig gestellt war, fing das Mädchen fröhlich und laut an zu Singen: "Drei Chinesen mit dem Kontrabass..." Fehlte nur noch das sie sich mit den Fingern Schlitzaugen gezogen hätte.

Montag, 16. November 2009

Das Elend liegt auf meinem Schreibtisch

Bin gerade beim Klausurenkorrigieren und könnte manche Schüler durchschütteln bis es klappert! Mit fachlichen Fehlern kann ich ja leben, aber nicht mit Stammtischparolen und mit breiter Brust zur Schau gestellter Naivität!
"Jedoch bin ich Adenauers Meinung und bin dafür, dass einfach nur noch Frieden in Europa herrschen soll nach all dem Krieg" Hrrrrrrrrrrrr! Geh doch an die Waldorfschule!
Die Klausuren sind aus Klasse 11. Nach G8 machen die Schüler in wenigen Jahren nach der 12. Klasse das Abitur. Der Untergang des Abendlandes steht bevor!

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Zuletzt aktualisiert: 15. Jul, 02:08

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