scheint einem hier am Niederrhein um die Nase zu wehen. Diese Aussage bezieht sich nicht auf mit Braunkohle betriebene Heizanlagen, die einen unverwechselbaren Duft verbreiten, der an die ersten Besuche im ehemaligen Nachbarland erinnern, sondern an das Gefühl steter Überwachung durch Mitmenschen.
Da hatte gestern eine Kollegin Geburtstag und wir saßen zu neunt auf Decken und tranken Bier und Schnaps auf das Wohl des Geburtstagskindes. Prompt erzählt mir heute ein Schüler, dass er mich gestern im Park gesehen hätte, wie ich dort mit Freunden gesessen hätte. Schön, dass er das mit dem Schnaps nicht gesehen bzw. erwähnt hat. Hätte mir noch gefehlt. Von den wochenendlichen Begegnung im Kino und in der Fußgägnerzone habe ich bereits an anderer Stelle berichtet. Allmählich drängt sich die Frage auf, ob man im ländlichen Kronach in Franken nicht mehr Privatssphäre gehabt hätte, da dort wahrscheinlich alle Kinder mit dem Schulbus nach der Penne erstmal auf das elterliche Gehöft gekarrt werden und dieses nur mit dem Heuwagen wieder verlassen dürfen.
oscar Matzerath - 23. Sep, 20:05
… the poppies blow“ Mit diesen Worten beginnt das weltberühmte Gedicht von John Mc Crae, eines kanadischen Teilnehmers des Ersten Weltkrieges, der auf diese Art und Weise versucht die Erlebnisse des Grabenkampfes zu bewältigen und der Grausamkeit Ausdruck zu verleihen. In Deutschland ist dieses Ereignis fast in Vergessenheit geraten, bzw. besitzt einen deutlich geringeren Stellenwert in der Erinnerungskultur als der Zweite Weltkrieg. Anders vollzieht sich das Gedenken an den Originalschauplätzen, wie beispielsweise im belgischen Ypern. Dort wird an jedem Abend seit 90 Jahren den vermissten und gefallenen Soldaten mit Trompetenstößen ein letzter Tribut gezollt. Werden Friedhöfe für zehntausende Soldaten gepflegt und versucht die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, was äußerst schwer fällt, da in 90 Jahren kaum noch etwas an die Geschehnisse erinnert. Nur die Bauern finden noch häufig Munition auf ihren Feldern, die durchaus noch Gefahren birgt. Es fällt schwer sich vorzustellen, dass dort wo es heute grünt und blüht damals kein Grashalm mehr neben dem anderen stand und die Erde unterst zu oberst lag und sich Menschen in kilometerlangen Gräben über Jahre hinweg belauerten um sich zu erschießen und sich unter anderem von Ratten ernährten. Die Bemühungen authentische Bilder des Krieges oder besser erlebnisnah die Atmosphäre in den Gräben nachempfindbar zu machen, nimmt an manchen Stellen bizarre Formen an. So kann man im Museum von Ypern in einem dunklen Raum sitzen und auf zwei Videowänden laufen Bilder der Schlachtfelder ab. Gesprächsfetzen in verschiedenen Sprachen sollen einen Eindruck der Nähe zum Kriegsgeschehen vermitteln. Licht- und Geräuscheffekte sowie aufsteigender Nebel sollen dem Museumsbesucher suggerieren er sei mittendrin im Graben. Nur dumm, dass im Raum angenehme Temperaturen herrschen, es trocken ist und die Geräusche der Geschütze voluminös zu einer leisen Begleitkulisse reduziert wurden. Auch muten nachgebaute Schützengräben eher wie Irrgärten an, als das sie die Bedrohlichkeit des Krieges vermitteln könnten.
Die Exkursion des Fachseminars Geschichte hinterlässt einen bleibenden tiefgründigen Eindruck, der vor allem nachdenklich stimmt, da in diesem Krieg hunderttausende Menschen gestorben sind, denen man heute auf verschiedene Art und Weise gedenkt. Besonders nah geht es einem, wenn man auf dem Soldatenfriedhof für die Opfer der Schlacht um Langemarck an einer Gedenkwand den eigenen Familiennamen findet, der nicht all zu häufig vorkommt. Allerdings vermittelt wissenschaftliche und belletristische Literatur oft ein besseres Bild vom Krieg als mit Wasser vollgelaufene Bombenkrater, die mit hohen Bäumen umstanden sind.
Britischer Soldatenfriedhof in den flandrischen Feldern
Mitten in den Feldern
Hotelzimmer mit Minibar
oscar Matzerath - 15. Sep, 22:02
Packe gleich mein Survivalkid und stimme mich mental auf den Trip nach Belgien ein.
Die Anleitung, wie man Bomben entschärft, habe ich auch schon gelesen. Dann kann es ja losgehen in das ehemalige Kriegsgebiet.
oscar Matzerath - 9. Sep, 19:10
Noch nicht mal ein Kind und schon sitzt man auf einem Elternabend. Bzw. saßen die Eltern und ich musste mich vorstellen. Was für ein trauriger Anblick! Da saßen sie allein oder in Paaren, alt oder mittelalt, Mutter oder Vater. Es waren sogar einige bekannte Gesichter darunter. Der Vater, der immer in Erdtönen herumläuft und auf einer Burg voller Vampire zu wohnen scheint, aufgrund des starken Geruchs nach Lauchgewächsen saß er allein. An einem anderen Tisch saß die untersetzte Kellnerin aus dem örtlichen Restaurant, die wiedererkennend lächelte und daneben alle möglichen Muttis und Papis. Sie saßen da wie die Lämmer, alle fleißig nickend und keine Fragen stellend.
Heute im Fitnessstudio unterhielt ich mich während der Übungen mit einem Trainer und wir kamen irgendwie darauf zu sprechen, dass ich ursprünglich aus Berlin komme. Da fragte er mich von wo aus Berlin und ich antwortete aus dem Nordwesten. Nun fragte mich dieser Provinzler, ob sich mein Stadtteil denn auch wirklich zu Berlin gehöre oder wie in Mönchengladbach nur einer der vielen Vororte. „Naja, das gehörte schon dazu, war ja schließlich die Mauer drum. Da wusste man ganz genau was zu Berlin-West gehört.“ Da hat der Dödel aber doof geguckt und kam mir schon wieder mit seiner provinziellen Kacke von Wegen Mg und seine Vororte. Man sollte nicht so viel Sven Regener lesen/hören, so etwas macht für normale Kommunikation untauglich.
oscar Matzerath - 3. Sep, 21:05
Quelle: Tagesspiegel.de
America de Cali, Ex-Klub des neuen Berliner Stürmers Adrian Ramos, steht auf der schwarzen Liste der US-Regierung.
Der Transfer des kolumbianischen Nationalspielers Adrian Ramos von America de Cali zu Hertha BSC interessiert auch die US-amerikanischen Drogenfahnder (DEA). Der populärste kolumbianische Klub steht seit Jahren auf einer schwarzen Liste der US-Behörde zur Bekämpfung der Geldwäsche im Drogenhandel, die offiziell „Specially Designated Nationals List“ heißt und in Südamerika „Lista Clinton“ genannt wird.
America de Cali hat mit Listenplatz 6536 prominente Nachbarn: Osama Bin Laden trägt die Nummer 6365, dessen Terrororganisation Al Qaida hat die 6366. Die „Lista Clinton“ ist eine nach dem ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten benannte Aufstellung der Geldwäsche verdächtigter Personen, Firmen und Institutionen. Einzelpersonen oder Betriebe, die auf dieser schwarzen Liste auftauchen, sind zumindest auf dem US- Markt jede Art von Geschäften untersagt.
Grund für den US-amerikanischen Bannstrahl ist der Einfluss des legendären Cali-Kartells auf die „Roten Teufel“, wie die Kolumbianer den populärsten Klub des Landes nennen. Die Brüder Gilberto und Miguel Rodriguez Orejuela hatten in den Achtziger und Neunziger Jahren ihre Kokain-Millionen in den Klub gepumpt. Damals lieferte sich das Medellin-Kartell um den 1993 erschossenen Pablo Escobar mit der Konkurrenz aus Cali nicht nur einen blutigen Kampf um Marktanteile im milliardenschweren Drogengeschäft, sondern auch eine prestigeträchtige Auseinandersetzung auf dem grünen Rasen. Während sich Escobar Atletico Nacional de Medellin leistete, spülten die Rodriguez-Brüder ihre Drogen-Millionen in die Kassen von America de Cali. Doch mittlerweile sitzen die Köpfe des Cali-Kartells in US-Gefängnissen und nach der freiwilligen Zahlung einer Geldbuße von umgerechnet 1,56 Milliarden Dollar der Familie Rodriguez an die US-Staatskasse ist auch der Geldfluss an America versiegt.
Diese Vergangenheit lastet bis heute auf dem Verein: Ein Sohn des Rodriguez-Clans (Juan Angel) zieht hinter den Klubkulissen nach wie vor die Fäden. Und die mächtigen Kartell-Bosse, die in ihren US-Gefängnissen das bunte Treiben in Cali höchst interessiert verfolgen, erwarten für ihre Investitionen aus der Vergangenheit eine Art Schadensersatz. Deswegen meiden viele Firmen jedweden Kontakt zu America, das nicht einmal einen Trikotsponsor besitzt.
Der Transfer von Adrian Ramos zu Hertha BSC wird deshalb nicht nur die US-Drogenbehörde interessieren, sondern auch die Familie Rodriguez. Es soll sich bei der Ablösesumme um umgerechnet 1,4 Millionen Euro handeln – Geld, das America de Cali nur zu gut brauchen kann. Der Klub hat nämlich seit Jahren ein Ziel: America will sich von der Rodriguez-Familie freikaufen. Die Transferentschädigung für Ramos könnte ein Schritt in diese Richtung sein. „Wir wollen erhobenen Hauptes gehen“, sagt Miguel Andres Rodriguez, ein anderer Sohn von Kartell-Chef Miguel Rodriguez, dem Tagesspiegel. „Die Familie will ein bestelltes Feld hinterlassen und dann nicht mehr zurückkommen.“
oscar Matzerath - 1. Sep, 22:13
Der neueste Streich des Kultregisseurs Quentin Tarantino besticht vor allem durch die Inszenierung des Geschehens, mit allem was man erwartet und schätzt. Die Geschichte ist packend und auch gewisse historische Abweichungen mindern den Kinospaß keineswegs sondern tragen eher noch zur Erheiterung bei. Auch eher mittelmäßige deutsche Schauspieler werden gut in Szene gesetzt und gewinnen deutlich an Profil.
Für den Privatgebrauch dringend zu empfehlen, aber nicht für den dienstlichen Einsatz.
Der einzige Film, für den ich ein zweites Mal ins Kino gehen würde!

oscar Matzerath - 30. Aug, 21:20
Aktuelle Ereignisse lassen mich an eine Kommilitonin denken, die mit mir zusammen Deutsch und auch mittelalterliche Geschichte studierte. Man traf sich drei bis vier Mal die Woche in diversen Veranstaltungen und vor verschlossenen Türen und wartete gemeinsam teils stundenlang auf die Audienz beim Professor. In manchmal langen Gesprächen erfuhr ich so einiges über ihr Leben und ihren familiären Hintergrund. Eines Tages bat sie mich in der nächsten Veranstaltung ordentlich mitzuschreiben, damit sie sich die Unterlagen kopieren könne, wenn sie aus Griechenland zurück sei, wo sie Erbschaftsangelegenheiten zu regeln hätte. Bei der Erwähnung einer Erbschaft in Griechenland wird der Großstadtbewohner aus der märkischen Streusandbüchse hellhörig, malt sich einsame Buchten, kristallklares Wasser und Nacktbaden bei Vollmond aus. Ab jetzt nimmt die Geschichte eine jähe Wendung. Das Haus, welches geerbt werden sollte lag im trockenen Binnenland und auch mit der Aphrodite – diesen Spitznamen hatte sie seitdem weg – war es nicht so weit her. Allerdings hatte ich jetzt ein Problem. Mein Interesse an ihrer Person falsch deutend, wollte mich die Aphrodite jetzt häufig zum vertraulichen Kaffeetrinken überreden. Sie schien mir sogar in der Bibliothek hinter den Regalen aufzulauern – so kam es mir zumindest manchmal vor – und ich musste alle möglichen sinnlosen Internetsurfereien ins Feld führen und Hochbeschäftigung heucheln, um ihren Fängen zu entkommen. Zum Glück sind die Semesterferien eine lange, in der jeder seine eigenen Wege geht. In den folgenden Semestern war unser Interesse merklich abgekühlt. Insgeheim verurteile ich mich für diese materialistischen Gedanken, aber wer hätte nicht gern ein Haus in Griechenland.

Aktuelle Ereignisse und ein Gespräch mit einem Freund erinnerten mich jetzt an diese Gestalt aus meinem vergangenen Universitätsleben. Ich hoffe, dass das Haus nicht den Feuersbrünsten anheim gefallen ist und auch das die Aphrodite ihr berufliches Glück gefunden hat. Wir werden es wohl nie erfahren. Aber insgeheim weiß ich, dass ich damals in mehrerer Hinsicht richtig gehandelt habe.
oscar Matzerath - 25. Aug, 09:24
Nachdem ich schon auf meine mangelnde Blogbereitschaft angesprochen wurde, gibt es das Neueste in Kurzform (Ein paar Fotos des Sommerurlaubs folgen irgendwann):
Das neue Schuljahr geht wesentlich besser los als das alte. Zudem habe ich mir nach dem heutigen Tag den Titel Didaktikpapst verliehen. Ich war ja so was von multimedial vorbereitet, dass gibt es eigentlich gar nicht. Neben Kreide, Oh-Folie und Arbeitsblättern, gab es heute auch was auf die Ohren und eine Präsentation via Beamer. Wenn mich in den nächsten Tagen niemand lobt, dann werde ich das selber erledigen müssen.
Ansonsten musste ich heute zur Sonderschicht im Seminar anrücken. Vorher noch schön beim städtischen Hundebräter einen Teller Allerlei gegessen und zum Wochenabschluss mittags noch ein Weizenbier getrunken. Hatte ich mir aber auch verdient. Dann ins Seminar mit einer Stimmung wie beim Karneval und einer Fahne wie zur Olympiaeröffnungsfeier. Aber man lernt ja auch sinnvolle Dinge im Ref, nämlich die Einnahme von Pfefferminzdrops gegen alle Art von Mundgeruch. So gewappnet ließ sich dann auch das PEG-Modul Offener Unterricht ertragen. Danach ging es mit einer Herrenhandtasche in den Stadtpark. Manchmal muss man einfach das Lumpenproletariat raushängen lassen.
Schüler stehen bekanntlich auf klare Ansagen. Als ich heute in der Geschichtsstunde in Klasse 10 eine Rede Kaiser Wilhelm II. zum Kriegsausbruch vorspielte und einige Mädels dabei schnatterten, sagte ich voller Inbrunst: „Ruhe wenn der Kaiser spricht!“ So etwas darf einem beim Thema Nationalsozialismus nicht passieren.
Ansonsten blicke ich ausgesprochen positiv in die nächsten Wochen, obwohl da eine Menge Arbeit auf mich zukommt – Examensarbeit etc., aber hoffentlich geht es im September nach Ypern!
oscar Matzerath - 21. Aug, 19:23