Samstag, 2. Mai 2009

Rheinischer Proletkult …

Da ich heute Abend auf einen Geburtstag eingeladen bin und eine schöne Flasche Weißwein mitbringen will und von den Frauen aus dem benachbarten Getränkemarkt keine fachkompetente Beratung erhoffen kann, wurde das Branchenbuch gewälzt und ein Spirituosenfachgeschäft in der Nähe gefunden. Ich kenne den Laden vom Vorübergehen und das Schaufenster wirbt mit allerlei Obstbränden und Kornvarianten um die Gunst des Käufers. Guten Mutes betrat ich das Geschäft und brachte in wohlgewählten Worten mein Anliegen vor. Der Verkäufer, ein älterer Herr in dunkle Grautönen gekleidet mit aufgedunsenem Trinkergesicht und glatt rückwärtig gekämmten Haar, übersetzte meine Wünsche in sein Idiom, was folgendermaßen klang. „Also da bringt dann heute Abend jeder eine Flasche mit?“ Mir kam der Gedanken an ein Komasaufgelage, welchen ich zu korrigieren suchte, aber er fuhr gleich mit der Beratung fort: „Sind das eher jüngere Leute oder ältere? … Da würde ich doch eher eine Flasche Sekt mitnehmen, Rosèsekt, da stehen die Weiber drauf.“
Aha, aber eigentlich wollte ich eine Flasche Weißwein. Es kostete mich einige Überredungskünste das Gewünschte zu erhalten. Nachdem ich ihn in die verlangte Richtung laviert hatte, erklärte er mir noch warum er mir keinen Riesling verkauft habe: „Die jungen Leute vertragen die Säure nicht, da kann es sein, dass die Frauen [immerhin sprach er nicht mehr von Weibern] anschließend den ganzen Abend auf dem Klo verbringen.“
Was dachte dieser Mann von mir? Erinnerte er sich an die eigene Jugend oder sieht er zu viel Privatfernsehen, indem es von Alkoholleichen auf den Balearen nur so wimmelt?
Immerhin wird man nicht in jedem Laden als angehender Lehrer erkannt – trotz Hemd und gepflegter Ausdrucksweise. Zumindest wurde ich nicht mit einem schnoddrigen „Wat gibbet?“ begrüßt, was hier durchaus nicht unüblich ist.
Ich werde mich bemühen den Kontakt zu diesem Verkäufer aufrecht zu erhalten, wer schafft es sonst schon dass man mit einem breiten Lachen sein Geschäft verlässt?

Mittwoch, 29. April 2009

Elternsprechtag

Alle paar Monate ist es soweit. Da erhalten die Eltern Gelegenheit mit den Lehrern ihrer Kinder zu sprechen, um deren Leistungsstand zu erfragen. Da fallen sie in die Schule ein und bringen sie mit – ihre Sorgen. Es ist verblüffend, was man alles in ca. 10 Minuten ungefragt von Eltern erfährt. Da genügen Sätze wie „ihr Kind ist im Unterricht sehr zurückhaltend“, schon erfährt man von psychologischen Verhandlungen und Versagensängsten der Kinder. Der gleiche Satz erbrachte bei einer anderen Mutter die Erklärung, dass das Kind ein Pflegekind sei. Was interessiert mich so was? Ich kann da auch nicht machen und habe lediglich festgestellt, dass es sehr ruhig im Unterricht ist. Die andere Mutter flirtet einen offensiv an, während der Vater einen Meter von einem weg sitzt. Gut, vom Kind weiß ich von den Scheidungsschlachten der Eltern, aber noch lange kein Grund die Note der Tochter durch tiefe, lange Augenkontakte erschummeln zu wollen. Zugegeben, sie hatte sehr schöne grüne Augen. Andere Väter machen den Eindruck, dass sie zu Hause gleich den Gürtel aus dem Hosenbund ziehen um dem Balg Manieren beizubringen. Man möchte nicht wissen, was sich hinter deutschen Wohnungstüren Tag für Tag abspielt. Kleine Einblicke genügen da schon vollkommen.

Samstag, 25. April 2009

Die Osterferien

Selten – oder ich glaube noch nie – habe ich Ferien derartig herbeigesehnt wie diese. Ich bin in den letzten Tagen davor am sprichwörtlichen Stock gegangen aufgrund der vielen Arbeit. Schlimm war die Geschichtslehrprobe am vorletzten Schultag, die Unmengen an Zeit gefressen hat.
Die Erleichterung stellte sich nur allmählich ein und auch die Anspannung brauchte mehrere Tage um von mir abzufallen. Dafür war die Reise nach Schottland genau das Richtige. Eine Woche Glasgow mit zwei Ausflügen in die Highlands, einem Besuch in einer Whiskydestille und einem Trip nach Edinburgh. Das Wetter war durchwachsen, was eine Schottin mit den Worten honorierte: „Wenn es hier nicht so oft regnen würde, dann wäre es alles nicht so schön grün und sähe nicht so frisch aus.“. So kann man es auch sehen. Angebadet wurde im Loch Lomond, bei einer gefühlten Wassertemperatur nahe dem Gefrierpunkt. Es wurde, bis auf das englische Frühstück, konsequent gut gegessen und auch der Whisky war ein Gedicht.
Dann noch ein paar Tage Berlin. Besuche im Theater und bei Freunden, die einem dem Abschied sehr schwer gemacht haben.
Seit Montag wird wieder durchgestartet und die Zeit bis zu den Sommerferien heruntergezählt. Vielleicht geht es dieses Jahr mit dem Rad nach Kopenhagen, wenn dies meine Funktion als Patenonkel zulässt.

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Gutes schottisches Badewetter


Ich sage nur Pressatmung

Donnerstag, 2. April 2009

Endlich Ferien,

nachdem ich die letzten Nächte immer so vier bis fünf Stunden geschlafen habe, ist es nun vorbei. Heute war Lehrprobe in Geschichte und morgen noch eine Stunde Bodybook basteln mit den Fünfern, dann den Rucksack geschultert ab nach Berlin, in den Geburtstag reinfeiern und Samstag ab in den Flieger. So soll es sein.

Sonntag, 29. März 2009

Zeitumstellung

Warum wird man zwei Mal im Jahr aus seinem biologischen Trott gerissen, wie man es sonst nur von längeren Flugreisen kennt? Zum Zweck der Stromersparnis kann ja wohl nicht mehr zutreffen in Zeiten, in denen geschlossene Geschäfte taghell erleuchtet sind, obwohl kein Kunde die Regale inspizieren kann. Heute fehlt mir die Zeit besonders, da ich meine Lehrprobe planen muss. Das Thema ist Stalingrad, aber die genaue Spezifizierung fehlt noch. Wie passen Sportpalastrede, Feldpostbrief und Heldenstatue sinnvoll zusammen? Und das alles muss noch in eine passende Form gebracht werden. Noch schnell eine Zigarette, um die Nerven zu beruhigen, dann in der eigenen Wohnung die Ohrstöpsel rein – zur Selbstfindung und dann ran an den Feind.
Ich mache drei Kreuze, wenn der Scheiß am Donnerstag vorbei ist und ich mich abends beim Bowlen langsam ins Nirvana befördern kann.

Donnerstag, 19. März 2009

Philosophie am Markt

Etwas schönes ist mir heute passiert. Nach einem Tag Schule und einem Nachmittag im Seminar fuhr ich mit dem Rad nach Hause und noch schnell im Supermarkt vorbei. Ich brauchte Brot und Käse für das Abendmahl. Es wuselten zwei Verkäuferinnen zwischen den Regalen hin und her und befüllten diese neu. Da sagte die eine zu ihrer Kollegin. Jeden Tag wenn ich hier wieder die Regale auffülle, wundere ich mich wo die Artikel geblieben sind die ich gestern eingefüllt habe.
Da blutet der Frau das Herz, weil immer wieder jemand ihre geliebten Artikel aus dem Kühlregal entführt. Süß!

Montag, 16. März 2009

Besuch aus Berlin

Am Samstag erhielt ich für einige Stunden Besuch aus der Heimat. Wir waren zum Fußballgucken in einer örtlichen Kneipe verabredet und wollten die Konferenz und vor allem Hertha gucken. Es kostete uns einige Mühe einen Fernseher zu finden, in dem alle Spiele gezeigt werden sollten. Nachdem uns zwei 0,3er Biere als groß angepriesen wurden, bestellten wir schließlich Alt in Weizenbiergläsern. Kurz vor Spielbeginn wurde dann doch auf das „Spiel des Jahres“ Köln vs. Mönchengladbach umgeschaltet und wir mussten uns dieses „Spektakel“ live ansehen. Die Ergebnisse mussten wir uns dann über das gute alte Radio zuführen. Nach einigen Bier ging es dann noch in ein türkisches Restaurant, um einen Grillteller für zwei Personen zu verzehren, der bei mir noch mitten in der Nacht den umgekehrten Weg nach draußen nahm.

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Schönen Dank für den Besuch und für ein paar Stunden Ausbruch aus dem arbeitsreichen Alltag.

Mittwoch, 11. März 2009

Für Ingmar

- quasi als Willkommensgruß. Ich sitze gerade vollkommen verpennt am Schreibtisch. Es ist irgendwas nach sechs Uhr morgens und ich lege letzte Hand an den heutigen Unterricht. Aus unerklärlichen Gründen läuft hier Radio Ruhrpott im Hintergrund. Die freuen sich riesieg, dass sie mit ihrer Großstadtstruktur als Reiseland auf der ITB vertreten sind. Die Hörer bekommen jetzt die Möglichkeit für die Region zu werben.
Die Werbesprüche spiegeln schön das Bild und Selbstverständnis der Bewohner und der Region wider: "Pommes, Curry, Pils hier kriegste watte willst" - Urlaubsziel Ruhrpott. Und die Leute sonnen sich auch noch ungehemmt in ihrer Proletkultur.

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nikolaus

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Zuletzt aktualisiert: 15. Jul, 02:08

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