Warum wird man zwei Mal im Jahr aus seinem biologischen Trott gerissen, wie man es sonst nur von längeren Flugreisen kennt? Zum Zweck der Stromersparnis kann ja wohl nicht mehr zutreffen in Zeiten, in denen geschlossene Geschäfte taghell erleuchtet sind, obwohl kein Kunde die Regale inspizieren kann. Heute fehlt mir die Zeit besonders, da ich meine Lehrprobe planen muss. Das Thema ist Stalingrad, aber die genaue Spezifizierung fehlt noch. Wie passen Sportpalastrede, Feldpostbrief und Heldenstatue sinnvoll zusammen? Und das alles muss noch in eine passende Form gebracht werden. Noch schnell eine Zigarette, um die Nerven zu beruhigen, dann in der eigenen Wohnung die Ohrstöpsel rein – zur Selbstfindung und dann ran an den Feind.
Ich mache drei Kreuze, wenn der Scheiß am Donnerstag vorbei ist und ich mich abends beim Bowlen langsam ins Nirvana befördern kann.
oscar Matzerath - 29. Mär, 14:43
Etwas schönes ist mir heute passiert. Nach einem Tag Schule und einem Nachmittag im Seminar fuhr ich mit dem Rad nach Hause und noch schnell im Supermarkt vorbei. Ich brauchte Brot und Käse für das Abendmahl. Es wuselten zwei Verkäuferinnen zwischen den Regalen hin und her und befüllten diese neu. Da sagte die eine zu ihrer Kollegin. Jeden Tag wenn ich hier wieder die Regale auffülle, wundere ich mich wo die Artikel geblieben sind die ich gestern eingefüllt habe.
Da blutet der Frau das Herz, weil immer wieder jemand ihre geliebten Artikel aus dem Kühlregal entführt. Süß!
oscar Matzerath - 19. Mär, 20:30
Am Samstag erhielt ich für einige Stunden Besuch aus der Heimat. Wir waren zum Fußballgucken in einer örtlichen Kneipe verabredet und wollten die Konferenz und vor allem Hertha gucken. Es kostete uns einige Mühe einen Fernseher zu finden, in dem alle Spiele gezeigt werden sollten. Nachdem uns zwei 0,3er Biere als groß angepriesen wurden, bestellten wir schließlich Alt in Weizenbiergläsern. Kurz vor Spielbeginn wurde dann doch auf das „Spiel des Jahres“ Köln vs. Mönchengladbach umgeschaltet und wir mussten uns dieses „Spektakel“ live ansehen. Die Ergebnisse mussten wir uns dann über das gute alte Radio zuführen. Nach einigen Bier ging es dann noch in ein türkisches Restaurant, um einen Grillteller für zwei Personen zu verzehren, der bei mir noch mitten in der Nacht den umgekehrten Weg nach draußen nahm.
Schönen Dank für den Besuch und für ein paar Stunden Ausbruch aus dem arbeitsreichen Alltag.
oscar Matzerath - 16. Mär, 17:26
- quasi als Willkommensgruß. Ich sitze gerade vollkommen verpennt am Schreibtisch. Es ist irgendwas nach sechs Uhr morgens und ich lege letzte Hand an den heutigen Unterricht. Aus unerklärlichen Gründen läuft hier Radio Ruhrpott im Hintergrund. Die freuen sich riesieg, dass sie mit ihrer Großstadtstruktur als Reiseland auf der ITB vertreten sind. Die Hörer bekommen jetzt die Möglichkeit für die Region zu werben.
Die Werbesprüche spiegeln schön das Bild und Selbstverständnis der Bewohner und der Region wider: "Pommes, Curry, Pils hier kriegste watte willst" - Urlaubsziel Ruhrpott. Und die Leute sonnen sich auch noch ungehemmt in ihrer Proletkultur.
oscar Matzerath - 11. Mär, 07:05
So heißt es auf den hübschen Bierbechern, die man im Borussia Park zu Mönchengladbach erstehen kann. Als Neubürger mit Freikarten beschenkt lässt man sich samt Kollegin mit dem Bus vom Rheydter Hauptbahnhof ca. 20 Minuten hinaus auf den Acker karren. Dort befindet sich ein seelenloser Karton aus Stahl und Beton, der Borussia Park. Lobend erwähnt werden müssen die familiäre Stimmung und die kurzen Wege im Stadion. Quasi durch die unmittelbare Nähe zum Sitzplatz zum Bierkauf gezwungen, habe ich so viel Bier wie noch nie im Stadion getrunken.
Seltsamerweise ist ein friesisch herbes Pils das Hauptgetränk am Niederrhein, welches in der absoluten Nähe zu Issum und damit zum guten Alt liegt. Alt gab es trotzdem. Die Hände voll mit Molle und Pommes, will man dem Blockwart dazu auffordern die Karte aus der Brusttasche zu ziehen und sich zu vergewissern, dass man auch wirklich in diesem Block sitzen tut. Da sagt der „Geh durch, Du warst doch schon mal hier.“ Nette Menschen. Ebenfalls war die Eingangskontrolle überaus lasch, sodass man getrost seine eigene Herrenhandtasche – geschickt am Körper verteilt – mit ins Stadion hätte nehmen können. Entweder kontrollieren die hier alle so passiv oder ich sehe mittlerweile wirklich aus wie ein harmloser Lehrer. Man weiß es nicht.
Ach ja, so ein Stadion ohne Laufbahn und Leni Riefenstahl-Gedächtnisgraben macht schon was her. Man denkt man sitzt oben auf dem Tor. Ansonsten war die Stimmung in unserem Block echt beschissen. Da musste man dann erstmal rumpöbeln, um die Nachbarn bei Laune zu halten. Echt beachtlich, dass es den Leuten hier gelingt ca. 25.000 Leute nach dem Spiel auch wieder reibungslos mit Bussen über die Äcker in die Fußgängerzone zu kutschieren.
oscar Matzerath - 21. Feb, 18:56
Tolle Sache dieses Internet. Man kann nicht nur Anleitungen für Rohrbomben, Rezepte für Speed oder Hinrichtungsvideos aus dem Irak sehen, sondern auch ganz banales normales Fernsehen. Nicht schlecht. Jetzt kann ich auch am Samstag in ruhe die Sportschau gucken und muss nicht bei -10 Grad in der leeren Fußgängerzone vor dem Elektromarkt stehen und mir bewegliche Bilder ohne Ton ansehen. Jetzt kann ich mit einem Cuba Libre Colt Seavers oder die Ludolfs sehen. Ach irgendwie muss ich mir doch eingestehen, dass ich die bewegten Bilder vermisst habe. Der gro´ße Vorteil von Zattoo ist, dass Sender wie ERTL Satt1 oder PLO7 nicht zur Verfügung stehen. Da hält sich die Volksverdummung hoffentlich in Grenzen, obwohl vorhin lief Jürgen Vogel bei DMAX über den Bildschirm und fuhr Riesenkipplader von links nach rechts.
Vielleicht auch ein guter Tipp für meinen Bruder in Amerika. Da muss er sich nicht in irgendwelchen Bars bloßstellen lassen, weil er Bier bestellt, aber keinen richtigen Ausweis dabei hat und trotzdem Fußball sehen will. Schon scheiße, wenn man mit 32 noch aussieht wie 14.
oscar Matzerath - 19. Feb, 22:23
Ich sitze vor dem Rechner und bastle an meiner Vorführstunde am Donnerstag. Es geht um Reiseberichte - besser um eine Fernsehreportage zum Thema Schottland - welche analysiert werden soll. Um die lieben Kleinen zum Thema hinzulenken und auf das Reiseland einzustimmen, suche ich gerade nach Fotos im Internet und stieß dabei auf folgendes Kleinod, welches ich zu gerne für einen Einstieg verwenden würde. Allerdings sind die Kinder dafür noch viel zu jung und kennen diesen Klassiker des schottischen Heimatfilms nicht, was der Hinführung zum Thema äußerst abträglich wäre. Also werden es wieder verwitterte Burgen, grünes Moor und Dudelsackspieler - man hüte sich vor den üblichen Klisches!

oscar Matzerath - 9. Feb, 21:48
Diesen Satz muss man sich doch des öfteren nochmals gedanklich vergegenwärtigen, wenn man im Staatsdienst tätig ist und den Kindern erziehungstechnisch was gutes mit auf den Weg geben will. Ist aber manchmal auch gar nicht so leicht. Am Mittwoch beispielsweise unterrichtete – zumindest tat ich so als ob – meine neue neunte Klasse in Geschichte. Gemeinsam wollte ich mit den Schülern ein Schaubild im Buch betrachten. Da deren Bücher wohl allesamt im Schrank lagen war dieser zu öffnen, was sich allerdings als nicht so leicht erwies. Bewaffnet mit dem Schlüssel machte ich mich an Tür nebst Schloss zu schaffen. Nachdem der Schlüssel gedreht blieb die Tür komischer Weise zu. Zwei weitere Versuche waren von Nöten um den Schrank zu öffnen. Als die Tür endlich aufschwang entwich mir der durchaus niveauvolle Spruch: „Da saß ja wohl ein Zuhälter im Schrank.“ Glücklicherweise war in der Klasse ein erhöhter Geräuschpegel zu verzeichnen, weshalb meine Bemerkung im allgemeinen Trubel unterging – hoffe ich zumindest, den eine offensichtliche Resonanz von Seiten der Schüler blieb aus.
Schön ist auch, wenn während einer Gruppenarbeitsphase in Klasse 11 zwei Mädchen eine Textstelle aus dem Buch in ihrer Gruppe halblaut vorlesen: „ein Geruch von Schweiß und Samen“ (P. Süskind; Das Parfum), die eine Hübsche zur anderen Hübschen sagt: „Anne du riechst doch auch immer nach Schweiß und Samen.“ Woraufhin diese erwidert: „Da steh ich drauf.“ Und der arme Lehrer sitzt zwei Meter davon entfernt und weiß nicht wie er tun soll. Wer kommt mich im Knast besuchen?
Hab mir beim Kochen schon wieder die Zunge verbrannt – was fürn Scheiß.
oscar Matzerath - 31. Jan, 22:00